Wie alles begann

 


Im Sommer 1993 war ab und zu mein Freund Walther Schneider, Gott sei seiner Seele gnädig, bei Veronika und mir in Feldafing am Starnberger See zu Gast. Er erzählte immer wieder vom deutschen Osten, von den prachtvollen verfallenen Häusern, von Städten, die saniert werden müssen, und von Menschen, die voller Tatendrang sind. Ich, damals mit einer gut gehenden Firma für Baustahlarmierungen, hatte schon immer ein Problem damit, wenn die interessanten Stahlkonstruktionen, die wir herstellten, in Beton eingegossen wurden, und kein Mensch sie nach Fertigstellung eines Bauwerkes sehen konnte. Dies auch deswegen, weil ich mich außer für Kunst seit 15 Jahren intensiv mit Architektur beschäftigt habe. Mein bester Freund, der geniale Architekt Boris Rozmarin, war mein Lehrmeister. Mit ihm habe ich in den 90er Jahren einige Neubauten und eine Bürohaussanierung in München durchgeführt. Schneider wurde ich nicht los. Einmal erzählte er von einem Grundstück in unmittelbarere Nähe des Schlosses Voigtsberg in Oelsnitz im Vogtland, wie er sagte, gleich hinter der Grenze.


Dann brachen wir auf. Veronika, Boris, Schneider, Günther von Jan und ich.


Das Grundstück gefiel mir. Nur 7 Kilometer von Plauen entfernt! Das schien mir eine Entwicklung wert. Boris und ich haben ein Projekt geplant: 259 Wohnungen, Mehrfamilienhäuser italienischen Stils, am Schlossberg.


Mit Bilfinger und Berger, einem meiner langjährigen Geschäftspartner, insbesondere mit Unterstützung von Einkaufsleiter Walter Neupert, einem Freund, haben wir das Projekt eingabefertig entwickelt. Wir ließen ein Modell vom Schlossberg bauen und stellten es dem Stadtrat von Oelsnitz vor. Der Stadtrat  hatte mit unserem Projekt ein Problem, lehnte es ab.


Eigentlich wollte ich schon wieder abziehen nach dieser Erfahrung. Aber wie das Schicksal es wollte, hatte ich schon im Zusammenhang mit dem Projekt Oelsnitz Prinz Albert von Sachsen und Alfred Zenkner kennengelernt.


Der Wettiner hat mich dann zur Eröffnung eines Bildungszentrums in Zwickau, dem sogenannten Penzler am Dr.-Friedrichs-Ring 20, das Zenkner aufgebaut hat, eingeladen. Uns so begann meine Geschichte in Zwickau, deren Resultat bis jetzt 279 erstellte oder sanierte Häuser sind.


Auf der Party lernte ich Steffi Haupt kennen. Sie leitet bis heute die Untere Denkmalschutzbehörde Zwickau. Steffi Haupt ist eine tolle Frau, eine hervorragende Architektin mit Visionskraft. Bei Einbruch der Dämmerung hatten wir von der Party genug und unternahmen einen Spaziergang. Sie zeigte mir das Ensemble Schloss Osterstein und die Nordvorstadt. Ich war tief beeindruckt. Sie erzählte von den Entwicklungen um das Schloss, Heilith & Woerner wollte ein 5 Sterne Hotel bauen. Letztlich sei bis jetzt alles gescheitert.


Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Ein verfallenes gewaltiges Renaissance Schloss, mitten in einer großen Stadt und ein heruntergekommener Stadtteil von ungeheuerlicher Schönheit. Ich traf die Entscheidung, in Zwickau anzupacken.


Veronika, Günther und ich gründeten die Schloss Osterstein GmbH und mieteten unser erstes Büro in der Pöhlauer Straße 5. Abends ging ich manchmal ins Eden, eine Kneipe in der Bosestraße. Christina Schmidt war das Herz dieses Lokals, ein Talent mit großen Fähigkeiten, ich unterhielt mich oft und gerne mit ihr. Ich stellte sie ein und bildete sie zur Immobilienfachfrau aus. Sie wurde viele Jahre zur zentralen Frau der Beschaffung von all den vielen Häusern; die Fotos vor Sanierung, die Sie unter „works“ auf der Website sehen, stammen alle von ihr.


Ich nahm den Kontakt mit dem Bund, dem das Ensemble Osterstein gehörte, auf. Nach vielen Verhandlungen einigten wir uns auf den Kaufpreis von DM 4 Millionen. Die Planungen, zunächst für das Gefängnis, wurden unter großem Einsatz betrieben. Der Architekt Hans Hofmann entwickelte in dem Kreuzbau ein Hotel.


Die Planung und ich gefielen Helmut Fitz, Eigentümer der Treff-Hotels, und wir schlossen einen Mietvertrag. Ausführende Baufirma sollte die Bauunternehmung Xaver Riebel, Mindelheim, sein. Der Bauvertrag war unterschriftsreif und umfasste ein Hotel und eine doppelstöckige Tiefgarage. Die Finanzierung sollte mit der Dresdner Bank vereinbart werden. Hans Georg Thiel, Leiter der Dresdner Bank Zwickau, ein wertvoller Mensch und Freund, wollte das Projekt begleiten. Der Vorstand der Dresdner Bank blockierte und verlangte von mir einen Partner aufzunehmen. Hans Georg besorgte die Holzmindener Fertigbau GmbH. Der Chef hieß Knoche und war sympathisch. Ich verkaufte ihm 50% der GmbH. Das Problem war ein Herr Sprenger der unsere wertvolle Planung abspeckte, um Kosten zu sparen, und um den Ertrag zu optimieren.


Ich kämpfte und introvertierte, ich war todunglücklich. Dann passierte folgendes: Mein Freund Mario Herold empfahl eine Auszeit zu nehmen und wir flogen nach Venedig. Ich werde nie vergessen, wie er mir am Markusplatz, während wir einen Espresso tranken, die Frage stellte, ob ich immer nur ein Projekt (er meinte Osterstein)  bearbeiten wolle. Meine Antwort war nein, in meiner alten Firma hatte ich immer so um die 40 Baustellen. Da löste sich meine Blockade auf und ich schaute vorwärts. Das war die Geburt der Sanierung der Zwickauer Nordvorstadt.


Ich teilte der Dresdner Bank mit, wie die Holzmindener meine hervorragende Arbeit zunichte machten und ich stellte die Dresdner Bank vor die Entscheidung: Entweder ich kaufe die Anteile zurück oder ich verkaufe meine Anteile an Knoche. Die Dresdner Bank entschied sich für die Holzmindener und so verabschiedete ich mich aus dem Projekt. Kurze Zeit später zerstritten sich die Käufer mit Helmut Fitz, der Mietvertag platzte, die GmbH ging pleite.

 

 


Die Nordvorstadt, die Bahnhofsvorstadt und das Zentrum


Schon als sich mein Ausstieg aus dem Projekt Schloss Osterstein abzeichnete, gründeten wir die Schloss Osterstein Verwaltungs GmbH, die Gesellschafter waren dieselben. Wir kauften auf einen Schlag die ersten 20 Häuser. Da stieß ich auf ein interessantes Phänomen. Sowohl der Baubürgermeister, er hieß Kühnel, wie auch viele mit denen ich Gespräche führte, glaubten die Nordvorstadt verloren. Oft hatte ich den Eindruck, einige, auch in Ämtern, hielten mich für einen irren Phantasten.


Diese Zeit mit dem Beginn der ersten Baustellen hat Günther von Jan intensiv erlebt und schreibt folgendes:


"Möglich wurde die Sanierung der Nordvorstadt dadurch, dass kurz zuvor die Steuerförderung dahingehend geändert worden war, dass sie auch für Altbausanierungen galt und der Investor nicht mehr Bauherr sein musste, sondern mit Sanierung von einem Bauträger kaufen konnte. ’Fördergebiet-Erwerbermodell’ nannten wir das Konzept, das wir daraus entwickelten. Damit waren wir jedenfalls im Raum Zwickau die ersten, weil wir zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt anfingen. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn man juristisches Neuland betritt, hat sich das Modell bis zu seinem Auslaufen im Jahr 1999 gut bewährt.


Ein freier Geist war das in den Anfangsjahren im Osten. Man atmete jedes Mal förmlich auf, wenn man hinter Hof die Zonengrenze passierte und die bedrückend-kleinkarierte Enge des Westens hinter sich lassen konnte. Zwischen Hof und Zwickau war die Autobahn noch einspurig. Auf einer einspurigen Autobahn überholen? Wäre einem im Westen niemals eingefallen. Im Osten war das völlig normal. Die Polizei, soweit es sie überhaupt noch gab, ließ sich kaum noch auf der Straße sehen. Ein Bauantrag bevor man zu bauen anfängt? Kein Gedanke. Ein Mitarbeiter wurde gekündigt – der ging einfach nicht. Man dachte nicht in Paragraphen sondern vernünftig und schaute nach vorn. Das wurde erst in den späteren Jahren wieder erstickt.


Großartig war die Dynamik und Aufbruchsstimmung damals. Jeder wollte etwas tun, beitragen, mitmachen. Auf meine letzte Stellenanzeige in München meldeten sich drei, und die einzige Bewerberin die überhaupt in Frage kam, sagte als erstes: Mit sechs Wochen bezahltem Urlaub komm ich aber nicht aus. In Zwickau meldeten sich fünfzig, von denen alle in Frage kamen. Von Urlaub sprach keiner, sondern ausschließlich davon, was er seit der Wende alles an Aus- und Fortbildungen gemacht habe, was er könne und was er tun und erreichen möchte.


Nur der Freitagnachmittag war heilig. Unter der Woche gerne solange wie nötig, aber am Freitag höchstens bis 1. Das war für uns eine Umstellung. Wir waren eher gewöhnt am Freitag open end, da man vor dem Wochenende ja noch möglichst viel fertig bekommen möchte.


Bewundernswert, mit welchem Enthusiasmus und Gottvertrauen sich viele selbständig machten, als kleine Baufirma oder als Generalunternehmer. Einige sind dann, ohne jede Aufklärung über das so gänzlich andere Rechts- und Wirtschaftssystem, allerdings auch ziemlich ins Messer gelaufen. Manche kamen zurecht, andere scheiterten. Öfter konnte man schwer mit ansehen, wie manche den 180 Grad Blickwinkelwechsel vom Lieferant als König zum Kunden als König nicht quasi über Nacht bewerkstelligten und teilweise in große Schwierigkeiten kamen.


An zu sanierenden Gebäuden war kein Mangel. Der Zustand der teilweise noch bewohnten Häuser war schauerlich. Insofern war ’Entmietung’ kein Problem. Die Leute zogen gerne aus. Gar manche danach auch wieder ein.


Das erste Büro in der Pöhlauer Straße hatte noch nicht einmal Telefon. Die Telekom arbeitete damals gerade die Anträge aus den 70er Jahren ab. Aber selbst wenn sie gewollt hätte: es gab keine Leitungen. Schließlich stellte man uns ein Richtfunkgerät ins Fenster.


Da die Mitarbeiter immer mehr wurden, platzte das kleine Büro bald aus allen Nähten. Als die ersten zu zweit auf einem Stuhl saßen, zogen wir um."

Günther von Jan

 

 


Zwickau war bei den Kapitalanlegern nicht bekannt. Wir bereiteten Prospekte und Dokumentationen vor. Akquirierten Vertriebe und überzeugten. Der Verkauf lief an und damit die Baustellen. Veronika Fliegerbauer übernahm das immens wichtige Baumanagement, wurde zum Motor und setzte unsere Vorstellung von Ästhetik durch. Das ist ihr Bericht:


"Es war ein Abenteuer. Eine aufregende Zeit. Wir hatten alle Hände voll zu tun. Mein Arbeitstag umfasste meist 16 Stunden, 7 Tage in der Woche. Meine Bauleiter und Mitarbeiter setzten sich enorm ein. In der Regel hatten wir 6 Monate Zeit um ein Gebäude kernsaniert zu übergeben. In den Jahren 1997 und 1998 hatten wir ca. 60 Baustellen zur gleichen Zeit zu bewältigen. Es war manchmal hart, doch haben wir die Termine immer eingehalten.


Für mich war es kein vollkommen neues Betätigungsfeld. Organisieren und managen gehörte schon immer zu meinem Leben. Großen Spaß hat mir auch die kreative Seite meiner Aufgabe gemacht. Die Auswahl der Farben für die Fassaden, die  Rekonstruktion von Giebeln, Kapitellen und Putzstrukturen. Gottlob waren die sächsischen Handwerker sehr fähig und waren in der Lage, auch alte Techniken immer auszuführen. Die Zusammenarbeit mit den Baufirmen war vertrauensvoll. Es ging immer Hand in Hand, ein Geben und ein Nehmen. Wir waren Partner, und ich konnte mich auf jeden einzelnen verlassen. Ein Handschlag war so viel wert wie ein lang aufgesetzter Vertrag. Und viele konnten genau das umsetzen,  was ich mir an Ästhetik und Facharbeit vorgestellt habe.


Da die meisten Häuser denkmalgeschützte Häuser waren, war es notwendig, mit dem Denkmalschutzamt in Zwickau, mit Frau Steffi Haupt, eng zusammenzuarbeiten. Frau Haupt war immer bereit zu inspirieren, zu motivieren, zu helfen. Wir waren ein gutes Team, das kann man an den vielen schönen Häusern sehen.


Eines meiner ersten Häuser, das ich aus seiner tristen Grausamkeit geholt habe, wurde dank sehr geschickter Handwerker die alten Putztechniken an der Fassade wurden mit einfachen Werkzeugen wieder so hergestellt, wie 1903 zur Zeit der Erbauung des Gebäudes,- zu einem Schmuckstück.


Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl für mich und für die Bauleute, als wir davorstanden, und jeder einzelne sagte Unser Haus. Was für ein schönes Haus. Welches Schmuckstück. Alle, die mitgearbeitet haben, waren stolz auf das Ergebnis. Das Haus, die Moritzstr. 7, wurde bei den Zwickauern und bei der Presse als das Hundertwasser-Haus bekannt.


Nach diesem Eindruck wusste ich, die Stadt Zwickau wird wieder ein Juwel werden, wenn die Sanierung der Stadtteile abgeschlossen sein wird. Ich wusste auch, Kurt Fliegerbauer, ich und alle Mitarbeiter werden unser Bestes geben. Und so ist es passiert. Bei fast 200 Häusern erfüllte ich diese Arbeit. 1999 übergab ich meine Aufgaben und ging zurück nach München.  Ich denke gerne zurück, habe die Zwickauer sehr gern und wünsche allen alles Gute für die Zukunft."


Veronika Fliegerbauer

 



Immer größer wurde die Firma, ständig waren wir auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Inzwischen wurde das Büro in der Pöhlauer Straße zu klein und wir zogen um in die Franz Mehring Str. 15.


Da passierte ein Glücksfall. Angela Einenkel, Diplominformatikerin, bewarb sich. Angela wurde zu einer meiner weiteren wichtigsten Mitarbeiterinnen, ein Tiger mit einem unglaublichen Umsetzungsvermögen. Bis heute arbeiten wir zusammen, eine wahre Freundin. Angela berichtet über den Büroalltag in der Firma:

„Ich habe meine Tätigkeit Anfang Dezember 1994 bei Schloss Osterstein Verwaltungs GmbH begonnen. Ganz am Anfang war ich zuständig für die Organisation und den Aufbau der gesamten EDV. Kurze Zeit später, mit Beginn der Sanierung des ersten Hauses, im Februar 1995, hat sich mein Aufgabengebiet erweitert. Ich war zuständig für die Vermietung und die Verwaltung. Die ersten Objekte wurden bereits im Herbst 1995 fertiggestellt und vermietet an die Käufer übergeben. Danach war ich dann außerdem für die Abteilung des Sekretariats, des Einkaufs und  des Verkaufs zuständig. Eine wahnsinnig  interessante Aufgabe. Für mich völlig neu. Ich habe gelernt, wie aus einer Vision, ein Produkt, also ein saniertes Haus, entsteht. Ich rede hier von Häusern, die ich nur in einem erbärmlichen Zustand kannte. Ich habe das schnell gelernt. Kurt Fliegerbauer war ein sehr guter Lehrmeister. Jeder Tag in dieser Firma war für mich ein Tag, an dem ein Produkt entstand.


Alle täglichen Abläufe im Büro waren super und tough organisiert. Die Firma war klar strukturiert in neun Abteilungen, denen wiederum drei Bereiche vorstanden.


Abteilung 1 = Sekretariat
Abteilung 2 = Einkauf
Abteilung 3 = Finanzen und Buchhaltung
Abteilung 4 = Genehmigungen/ Grundbucheintragungen
Abteilung 5 = Planung / Konzept
Abteilung 6 = Verkauf
Abteilung 7 = Bauabteilung
Abteilung 8 = Vermietung / Verwaltung
Abteilung 9 = Geschäftsleitung


Alle Aufgaben für jeden einzelnen Mitarbeiter waren in Form von Memos klar definiert.


Die drei Bereichsleiter waren Veronika Fliegerbauer, Klaus Aumiller und ich. Wir arbeiteten eng mit Kurt Fliegerbauer, der Geschäftsleitung, zusammen. Ich muss vorweg sagen, dass ich die Zusammenarbeit mit Veronika und Kurt Fliegerbauer bis heute nicht missen möchte. Die Zeit, die wir gemeinsam in der Schloss Osterstein Verwaltungs GmbH verbracht haben, war eine für mich äußerst erfüllte Zeit. Über die Jahre ist eine besondere Art von Freundschaft zu Veronika und Kurt Fliegerbauer entstanden, die heute noch besteht. Wir arbeiten weiterhin sehr eng zusammen.


Zu meinem Bereich gehörten in der Schloss Osterstein Verwaltungs GmbH, wie schon gesagt,  die Abteilung 1, die Abteilung 2, die Abteilung 6 und die Abteilung 8. 


Sämtliche dienstlichen Abläufe und Aufgaben wurden von der Geschäftsleitung über die Bereichsleiter an die einzelnen Abteilungen in Form von schriftlichen Mitteilungen verteilt.


Jede einzelne Aufgabe für jeden einzelnen Mitarbeiter wurde in Form von Memos an die Mitarbeiter weitergeben. Somit war jederzeit sichergestellt, dass jeder Einzelne seinen Posten erfüllte und eine äußerst effektive Arbeit leistete. Das Arbeiten in dieser Form war einfach wunderbar. Das hat die Mitarbeiter unheimlich motiviert,  jeden Tag ihr einzelnes Produkt zum Gesamtprodukt beizutragen.


In wöchentlich stattfindenden Meetings, die Kurt Fliegerbauer mit uns drei Bereichsleitern führte, wurden Schwerpunkte von Aufgaben besprochen, Entscheidungen getroffen, Statistiken wurden ausgewertet.  Diese wöchentlichen Meetings haben im Wesentlichen dazu beigetragen, dass aus Visionen Produkte wurden.


Alle täglichen einzelnen Schritte, vom Ankauf eines Hauses über die Finanzierung und finanzielle Abwicklung mit Verkäufern, Bauunternehmern, Handwerkern und Käufern, die Planung und Entwicklung , der Verkauf, die Vermietung bis hin zur Verwaltung waren, man kann fast sagen, minutenweise organisiert. Jeder einzelne Mitarbeiter war wie ein einzelnes Zahnrad, das exakt dann in ein Weiteres eingerastet ist, um das gesamte große Rad voranzutreiben. Das geschah mit einer rasanten Geschwindigkeit. Stillstand gab es nicht. In manchen Monaten wurden bis zu vierzig Häuser gleichzeitig saniert. Im September 1997 waren bereits 100! Häuser fertiggestellt. Fertiggestellt heißt außerdem, dass die Objekte auch bereits von Mietern bezogen waren. Ich möchte deutlich machen, dass diese Leistung, also innerhalb von 19 Monaten 100 Häuser fertigzustellen, nur hoch motivierte und äußerst zuverlässige Mitarbeiter erbringen konnten.


Sehr interessant und spannend war für mich außerdem der Kontakt zu den Käufern der Häuser. Es verging in den Jahren 1996 bis 1999 kein Wochenende an dem nicht mehrere Termine mit Kaufinteressenten stattgefunden haben. Kurt Fliegerbauer hat den Interessenten die Häuser visuell saniert so darstellen können, dass sie sich in der Regel fast alle sofort an Ort und Stelle, also hier in Zwickau, zum Kauf entschieden haben. Die Käufer hat nicht nur allein der steuerliche Vorteil überzeugt, sondern auch die Stadt Zwickau und die schon fertigen Gebäude. Das erforderte von den Mitarbeitern, die für den Verkauf zuständig waren, gerade zum Jahresende besondere Höchstleistungen. In machen Jahren wurden am Silvesterabend die letzten Kaufverträge geschlossen.


Nach Sanierungsabschluss wurden die Objekte an die Käufer übergeben. Nicht nur die Abteilung Bau war stolz, nein auch die Vermietung. Bei fast allen Objekten konnten wir nach Bauabschluss auch schon eine Vielzahl von vermieteten Wohnungen an die Käufer mit übergeben und die Verwaltung anbieten. Dieser Service hat mehrere Käufer überzeugt, weitere Objekte mit uns gemeinsam abzuwickeln.


Bereits im Juni 1999 haben wir das 199ste Haus fertiggestellt und dies natürlich entsprechend gefeiert. Wir haben auf dem Römerplatz ein Straßenfest, also nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Zwickauer, organisiert. Eine kubanische Band hat auf dem Römerplatz karibisches Flair verbreitet. In dieser Sommernacht wurde der Römerplatz zu einem kleinen Teil der Karibik. Der krönende Abschluss dieses Festes war ein gigantisches Feuerwerk. Davon haben alle, die dabei waren, noch lange gesprochen.


Erwähnen möchte ich unbedingt noch, dass wir ein oder zweimal pro Jahr, mit allen Mitarbeitern und deren Partnern gemeinsam gefeiert haben. Kurt Fliegerbauer hat  für unsere Betriebsfeste immer geniale Ideen gehabt. Zwei dieser Feste möchte ich beschreiben.


In Mülsen gab es ein Kino das, im Stil der dreißiger Jahre eingerichtet, ein besonderes Flair hatte. Auch die alten Filmvorführmaschinen waren noch da. Dort zeigte Kurt Fliegerbauer den Film „Nostalghia“ des russischen Kultregisseurs Andrej Tarkovsky.  Ich glaube, nicht alle von den vielen Gästen haben den Film verstanden. Der anschließenden Party hat das nicht geschadet.
Das allerschönste Fest aber haben wir in einem Bergwerk  im Vogtland feiern können. Sechshundert Meter unter der Erde sind wir zuerst durch ein Labyrinth von Stollen zu einem unterirdischen See gegangen. Dort war eine große Tafel aufgebaut. Verschiedene Künstler mit Musik und Pantomime haben uns über den gesamten Abend begleitet. Ganz toll war das Schwimmen im warmen See. Bernd Züllich, unser Revisor, war nicht mehr aus dem Wasser zu bekommen. Überall war Kerzenlicht, das im Wasser reflektierte. Es war nicht nur allein der Stollen, der uns so beeindruckt hat.  Keiner von uns hatte bisher so etwas gesehen. Das war für uns alle mehr als ein besonderes Erlebnis, es war traumhaft. Wir alle hatten das riesige Glück, den Stollen und diesen traumhaften See als letzte Gäste zu sehen. Kurz nach unserer Feier wurde der Stollen leider geflutet.“

Angela Einenkel

 

 



Veronika und ich sanierten für uns die Ludwig Richter Straße 11 und zogen ganz nach Zwickau.


Immer mehr Häuser wurden fertig. Wir erhielten Lob von den Zwickauern und von Politikern aller Parteien. Einer meiner Schwerpunkte war der Verkauf. Ich führte die Interessenten durch Zwickau und zu den Häusern, hauptsächlich damals in der Nordvorstadt, einem trotz des 2. Weltkriegs nahezu unbeschädigten Stadtteil. Trotz des ruinösen Zustands des Hausbestands, war der ehemalige Glanz wahrnehmbar. Auszug aus meinem Buch „ Zwickau Architektur der Jahrhundertwende“:

Im Gegensatz zu vielen anderen  Städten ist die architektonische Qualität bis ins Detail stimmig und von außergewöhnlicher Eleganz. Von den großen Baumeistern seien Karl Frey, Franz Wolf und Wilhelm Junghans erwähnt. Die regelmäßigen Stadtstrukturen der Gründerzeit und der Jahrhundertwende mit ihren Straßen- und Platzanlagen, durchzogen von Alleen, parkähnlichen Freiräumen, bezaubernden Vorgärten und nicht zuletzt den vielen interessanten Details - von schmiedeeisernen Zäunen bis hin zur Straßenlampe - zeigen heute noch den wilhelminischen Charakter der Stadtplanung.

Ich war so überzeugt und engagiert und konnte den Investoren, fast ausschließlich aus Bayern, Hessen und Baden Württemberg, die Vision einer sanierten Nordvorstadt vermitteln und vor ihrem geistigen Auge auferstehen lassen. Das war wesentlich für den Erfolg. Dann trat etwas ein, das uns die Arbeit etwas erschwerte. Schon seit 1980 bin ich Scientologe, bis dahin hatte das Keinen interessiert. Es begann eine unglaubliche Hexenjagd.

 



Scientology


Es fing an Ende 1996. Plötzlich kam ein erpresserischer Brief eines unseriösen bösen Buben. Herr Ulrich Schulz, Bauunternehmer aus Altenburg, sanierte zwei Häuser in der Robert-Müller-Straße. Er forderte DM 100.000,00, sonst würde er meine Mitgliedschaft in Scientology an die Presse weitergeben. Wir hatten ein kleines Problem, denn es liefen gerade Finanzierungsanträge für ca. 80 Millionen. Es war uns klar, einige Banken würden Abstand nehmen, denn ordentliche Scientologen bekommen insbesondere bei der Deutschen Bank keine Kredite, die finanziert lieber Firmen, die Streubomben herstellen.


Es war das erste und letzte Mal, schweren Herzens ließ ich mich erpressen und zahlte, um die Finanzierungen nicht zu gefährden. Herr Schulz wurde Jahre später verurteilt, zurückbezahlt hat er nie. Kurze Zeit später meldete sich der Stern und wollte ein Interview. Durch geschicktes Taktieren konnte ich den Artikel verzögern bis die Finanzierungen unter Dach und Fach waren. Der Artikel wurde von Liane von Billerbeck verfasst, er war gespickt mit Lügen, Verallgemeinerungen und Halbwahrheiten. Frau Billerbeck ist eine sogenannte Enthüllungsjournalistin und lebt davon zu diffamieren.


Während ihrer Zeit in der DDR war es mit dem Enthüllen nicht sehr weit:
Sie war Journalistin bei der Berliner Illustrierten, Parteisekretärin und in Lebensgemeinschaft mit Jürgen Ehle, einem Rockmusiker der Gruppe Pankow, die in der DDR ein Synonym für Freiheit war. Aus der Beziehung gingen zwei Kinder hervor. Jürgen Ehle wurde als Stasi-Spitzel überführt.


Diese Frau war von nun an einige Jahre ständig präsent. Die Methoden ihres Journalismus waren niederträchtig. Unter den vielen Bauunternehmungen fand sie einige, die unzufrieden waren. Naturgemäß gab es bei der großen Anzahl von  Sanierungen Mängel und auch Abzüge, wenn die Mängel nicht beseitigt wurden. Briefe von mir mit Anlagen , Bestätigungen vieler andere Firmen, die wie die meisten hervorragende Arbeit lieferten und mit unserer Zusammenarbeit mehr als zufrieden waren, ignorierte sie.  Billerbeck schleppte eine Sabine Mierisch, an, die eine Fernsehsendung für SAT 1 produzierte.


Der Brief einer Mieterin zeigt den Charakter von Frau Mierisch:

 

 

 

 

 

Auf Billerbeck und Mirisch folgten andere, von gleicher Qualität. Trittbrettfahrer wie Ingo Heinemann, oder die kriminelle Ursula Caberta, auf die ich später noch zu sprechen komme. Diesen Journalisten geht es um die Zerstörung von Scientology. Sie lügen, und setzen Politiker unter Druck. Daraus resultieren Sektenfilter und wirtschaftliche Ausgrenzung. Im aktuellen „Clinton Report“, wird Deutschland wegen des Umgangs mit Scientology zum wiederholten Mal  wegen religiöser Unterdrückung überführt.


In Zwickau fanden die Kurt Fliegerbauer-Jäger einen starken Verbündeten: Rainer Räch, damals Chefredakteur der „Freien Presse“. Er benutzte mich, um seinen politischen Einfluss zu verstärken. Sein Freund war der CDU Politiker Frank Seidl, ein Dilettant, der inzwischen nach erfolgloser Oberbürgermeister-Kandidatur in der Versenkung verschwunden ist. Ein Glück für die Zwickauer. Räch wurde ein Brief zugearbeitet, in dem Oberbürgermeister Eichhorn meine Arbeit lobt. Dieser Brief ist das selbstverständlichste der Welt. Warum sollte ein Oberbürgermeister nicht jemandem Respekt zollen, der ganze Stadtteile wiedererweckt? Räch behauptete, Eichhorn unterstütze mich, und dadurch  Scientology, und verlangte seinen Rücktritt.

Das motivierte Ursula Caberta nach Zwickau zu kommen, wo sie auf Initiative von Frank Seidel eine Veranstaltung moderierte und ebenfalls den Rücktritt von Eichhorn forderte.


Silke Kunstmann, Olaf Röseler und ich hatten großen Spaß, einen Song zu diesem Thema aufzuzeichnen. Hören Sie selbst:

 

 

 

 

 

 

Um Eichhorn zu unterstützen, organisierte ich eine Pressekonferenz. Die Überraschung war groß, als ich bekannt gab, Zwickau zu verlassen. Das entkrampfte die Situation, der Medienrummel nahm ab. Vorher hatte ich das nie.


Hier ein Artikel und Bürger Meinungen:

Ein weiteres lustiges Erlebnis. In erster Linie wieder Herr Seidel forderte für Zwickau ein Scientology-Aufklärungsbüro, nach dem Hamburger Modell. Ich bewarb mich:

 

 

 

Der Stadtrat hat das Scientology-Überwachungsbüro später abgelehnt.

 


Zum Thema Scientology sagt Silke Kunstmann:


Seit 12 Jahren lebe ich mit Kurt Fliegerbauer. Ich bin keine Scientologin. Kurt ist ein sehr konstruktiver Mensch, er ist fürsorglich und übernimmt Verantwortung für alles was er macht. Auf sein Wort kann man sich verlassen. Er steht für seine Überzeugungen ein, also auch für Scientology. Oft bewundere ich, wie er über Menschen denkt, die ihn deswegen verunglimpfen und benachteiligen. Er kritisiert diese Menschen nicht, nimmt sie gar in Schutz. Er sagt, es sind einige wenige die für die falsche Berichterstattung über Scientology verantwortlich sind. Ich bin stolz seine Partnerin zu sein.


Silke Kunstmann

 

 


Zum Thema Scientology gehört die Politik. Die Angriffe hatten Folgen. Der Stadtrat beschloss, keine Häuser an uns zu verkaufen. Man fürchtete um das Image der Stadt. Keine Sekunde ließ ich mich davon abbringen, mein Ziel, Zwickau zu sanieren, aufzugeben. Strohmänner, es gab viele, übernahmen nun die Aufgabe, städtische Gebäude, insbesondere der städtischen Wohnungsgesellschaft GGZ, für uns zu kaufen. Das verteuerte alles und es flossen nicht unerhebliche Provisionen. Die Politiker selbst gingen auf Distanz zu mir, hatte doch inzwischen der Stadtrat beschlossen, einen Sektenfilter herauszugeben. Jeder städtische Mitarbeiter musste auf einem Formular bestätigen, keine Verbindung zu Scientology zu haben. Natürlich gab es auch Ausnahmen; Politiker und Stadträte, die mich unterstützen, meine Leistung bewunderten.

 


Mein Verhältnis zu den Oberbürgermeistern darf ich beschreiben:

 


Rainer Eichhorn


Ein guter Oberbürgermeister, der am Vorwärtskommen der Stadt interessiert war. Einmal trat er mit mir sogar öffentlich auf, als mir der Architekturpreis verliehen wurde. Auf meine Veranstaltungen hat er immer den damaligen Baubürgermeister Vettermann geschickt. Eichhorn hat nie akzeptiert, wie mit mir umgegangen wurde, er wusste ganz genau, wie verlogen die Berichterstattung war. Einige Male ist er geheim an mich herangetreten. Die Leipziger Straße 30 lag ihm wegen seiner Bekannten aus Tel Aviv, deren Geburtshaus es war, sehr am Herzen. Ich nahm das Haus in die Hand und er überbrachte eine Dokumentation an die Dame. Auch der Hauptmarkt 17 und 18 wurde durch seine Initiative saniert. Ich kaufte das Haus über einen Strohmann und sanierte es. Er trat dann nicht mehr zur Wiederwahl an, das war bedauerlich.




Dietmar Vettermann


Eine Fehlbesetzung, ein Feigling. Er hatte nichts im Griff. Auf meiner ersten Veranstaltung zum 100. Haus war er noch einigermaßen begeistert. Er prägte den dann oft publizierten Satz: „die Stadt Zwickau wünscht sich auch weiterhin waschkörbeweise Ihre Bauanträge“. Auf der Veranstaltung zum 200. Haus war er dann nur ein paar Minuten da, seine Rede war ohne Inhalt. Bei einigen Talkshows spielte er sich als Experte in Sachen Scientology auf. Er soll jetzt Küster auf einer dänischen Insel sein.

 


Pia Findeiß


Es fehlen ihr die Visionen. Wenn sie nicht aufpasst, wird sie zur Abbruchspezialistin historischer Quartiere. (siehe Megaphon auf der Titelseite). Die Ämter sind straffer organisiert seit sie das Ruder in die Hand genommen hat, das macht sie gut. Manchmal sieht man sie auf Rockkonzerten, vielleicht ist sie eine geheime Rock`n Rollerin. Zu mir ist sie immer sehr freundlich, sie hat keinerlei Berührungsangst.  

 


Zurück zum Jahr 1997


Die Firma zog in die Kolpingstraße 24. Für die Sanierung dieses Hauses habe ich den Architekturpreis der Stadt Zwickau erhalten. Die Baumaßnahmen, der Fortschritt war prächtig. Immer mehr Interessenten kamen in Zwickau an. In den Folgejahren ging es ganz genau so weiter. Ende 1999 hatten wir schon DM 462,5 Millionen verbaut. Wir erweiterten unsere Aktivitäten auf das Zentrum. Durch die Fertigstellung der vielen Häuser mit mehr als zweitausend Wohnungen wurde das Vermieten zum  Problem. Trotz aktiver Werbung gelang es uns jetzt nicht mehr, die Wohnungen zeitnah zu vermieten. Eine Kinowerbung erreichte sogar Kultstatus:

CD Kinowerbung

 

 

 



Die Idee für den Spot stammte von mir selbst. Die technische Qualität war nicht gut. Hervorragend waren die Darsteller des SERO Theaters unter der Regie von Egmont Elschner. Das waren unter anderem Monika Lorenz und Dr. Ulrich Scholter.

Die Architekturleistung für die Sanierung Römerstr. 1a haben wir an das Büro König vergeben. Zuständige Architektin war Silke Kunstmann. Hoppala, das war eine Eröffnung. Die Zusammenarbeit mit ihr war ein Vergnügen, wir ergänzten uns von Beginn an. Daraus wurde Liebe und eine erfüllte Lebensgemeinschaft. Kurz danach begann die Planung für das Baufeld Magazinstraße-Dr.-Friedrichs Ring mit 100 Stellplätzen in der Tiefgarage.


Dazu Silke Kunstmann:


„Bitte stellen Sie sich folgende Situation vor:


Ich, noch frisch noch von der Uni und ohne Erfahrung, bekomme von Kurt Fliegerbauer den Auftrag ein Baufeld von 11 !! innerstädtischen Flurstücken und eine Tiefgarage für 100 PKW zu planen. Sicher kann sich jeder vorstellen, was für eine Ehre und große Herausforderung das für mich war.


Von Anfang an hat mir Kurt Fliegerbauer dabei ein unheimliches Vertrauen in meine Fähigkeiten entgegengebracht. Er hat gesagt: „Mach mal, Du darfst auch Fehler machen“. Das war ganz wichtig für mich, denn so konnte ich „frei von der Leber“ loslegen.


Ich habe also begonnen, die Entwürfe für die Wohn- und Geschäftshäuser zu erstellen, habe mich dabei von meiner Lehre an der Bauhaus Uni Weimar leiten lassen und habe mein in einem einjährigen Studium in Venedig entwickeltes Gespür für mediterrane Farben und Formen in die Arbeit einfließen lassen.
Viel technisches Know-How musste ich mir erst aneignen, z.B. was für eine Tiefgarage für Normen und Regeln gelten. Auch wie man Bauanträge erstellt und was dafür alles benötigt wird, war damals komplettes Neuland für mich.
Die Entwürfe haben wir nächtelang gemeinsam diskutiert, haben gefeilt, verbessert.


Es war von Anfang an eine wundervolle Zusammenarbeit, weil wir das gleiche architektonische Verständnis haben, beide klare Formen lieben und  auch gerne mal architektonische Kontraste setzen. Bis heute ist unsere Zusammenarbeit wie ein Tennisspiel: Einer hat eine Idee, der andere bringt noch weitere Gesichtspunkte ein, usw.; solange, bis wir beide mit dem Ergebnis zufrieden sind.
Ich habe in dieser Zeit und in den Folgejahren viel von ihm lernen dürfen.
Gesichtspunkte, die für mich damals noch nicht wichtig waren: Vermietbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Geschwindigkeit.


Ganz spannend war auch die Phase der Auftragsvergabe und Vertragsverhandlung.
Ich war bei den Verhandlungen und Beratungen mit der letztlich bauausführenden Fa. Alpine oft dabei und sah wie wichtig es ist, seinen Standpunkt, um des Produktes willen, zu verteidigen und nicht nachzugeben, wenn es um die Sache geht und sofort zu handeln, wenn es notwendig ist.


Ich kann mich noch gut erinnern, dass eines Tages, ziemlich zu Beginn der Arbeiten auf dem Baufeld Magazinstraße 9-19, von der Baustelle die Meldung kam: „ Wir haben Teile der alten Stadtmauer gefunden“. ..


Um Himmels willen, dachte ich; so ein Fund kann die Bauarbeiten um Monate verzögern.


Kurt Fliegerbauer hat sofort reagiert: Hinein ins Auto und ab nach Dresden zur obersten Archäologin, Dr. Oexle vom sächsischen Landesamt für Archäologie. Ich war baff!


Die Verhandlungen dort waren nicht einfach, aber schließlich konnte eine Einigung noch am selben Tag erzielt werden und der Fortgang der Bauarbeiten war gesichert.
Aha, dachte ich mir; so geht das!


In der Folge gab es noch viele Situationen, die Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Überzeugungsarbeit erforderten; alle haben wir gemeinsam gemeistert.


Das Resultat unserer Arbeit in den Jahren 2001-2002 sind die 11 entstandenen Gebäude Magazinstraße 9/11, 13/15, 17, 19, 8/10, 12/14, Dr.-Friedrichs-Ring 18 .
Es macht mich heute noch stolz und dankbar, dass mich Kurt Fliegerbauer damals vor diese Herausforderung gestellt hat und mir die Bewältigung zugetraut hat.
Ich habe ihn nicht enttäuscht, er sagt sogar, er ist begeistert von mir.“


Silke Kunstmann

 


2002, die Baustelle Magazinstraße-Dr.-Friedrichs-Ring war etwa zur Hälfte fertiggestellt, war für mich voraussehbar, dass die Gesellschaft die Mietgarantien nicht mehr lange bedienen können würde. Wir hatten einfach in zu kurzer Zeit zu viele Wohnungen auf den Markt gebracht. Ich war gezwungen, Insolvenz anzumelden. Freilich habe ich das Baufeld aus der Insolvenzmasse zurückgekauft und weiter gebaut.


Es folgten der Hauptmarkt 11/12, der Hauptmarkt 17 und 18, die Innere Schneeberger Str. 7 und 21, die Peter Breuer Straße 37, die Magazinstraße 5 und die Münzstraße 6.


Ab 2003 haben Silke und ich DDR-Design angekauft und gesammelt. Wir mieteten eine Fabrik in Saupersdorf.. Über die Jahre wurden drei Geschoße gefüllt. Möbel, Radio und Fernsehgeräte, Kameras, Spielzeug, Kleidung, Sportartikel, Magazine, Motorräder, Autos und Fotosammlungen.


Besonders erwähnenswert war die Fotosammlung „Mensch und Trabant“.  Das waren Fotos von Familien, die an dem Tag, als sie endlich, nach jahrelangem Warten, ihren Trabi bekamen, sich alle vor dem Auto aufgestellt haben und sich fotografieren ließen. Die Emotion in den Gesichtern ist unglaublich.


Silke und ich führten Gespräche mit Clauss Dietl, Hans Brockhage, Günther Höhne und anderen, studierten Bücher, befassten uns intensiv mit der Materie. Wir waren sicher, ein Trabant-Museum würde eine weitere Attraktion für Zwickau schaffen.


Wir planten das Museum, fingen an, die Peter Breuer Str. 19 umzubauen und erstellten auch das Konzept und die Einrichtungspläne.


Leider wollte Dietmar Vettermann, Willi Stoye und Pia Findeiß von dem Projekt nichts wissen. Trotz unserer Bemühungen haben sie uns blockiert. Frau Findeiß hat den berühmten Satz „Mir haben schon ein Automobil Museum“ geprägt. Ohne die Unterstützung der Stadt, zum Beispiel brauchten wir einen Busparkplatz und die Verpflichtung zur Aufnahme in die Werbung der Stadt Zwickau, war das Projekt unmöglich. Als auf Veranlassung von Vettermann auch noch eine Rückbauverpflichtung für die schon gebaute Trabi-Box durchgesetzt wurde, haben wir das Projekt beerdigt.

 

 

 

 

Im Rahmen der Vorbereitungen für das Museum haben wir es gegen heftigen Widerstand geschafft, die Peter Breuer-Magazinstraße zur Fußgängerzone umzuwidmen. Ohne den mutigen Amtsleiter Rainer Kallweit wäre das nicht gelungen. Er unterstützte das Projekt tatkräftig. Wir haben die Bäume und Bänke gekauft und den Ausbau bezahlt. Besonders die Peter Breuer Straße, die Kneipenstraße, ist durch die Außenplätze der Lokale sehr attraktiv geworden.


Ein besonderes Projekt, das Silke und ich ins Leben gerufen haben, ist die Peter Breuer Str. 26, der Block 26. Inspiriert durch ein Projekt in London, wo wir oft sind, haben wir aus Containern ein Bauwerk geschaffen. Die Grundidee war günstige Mieten für kreative Menschen anzubieten, die sich in den Bereichen Schmuckdesign, Mode, Galerie, Werbung, verbunden mit einem Bistro, selbstständig machen können. Wir haben 48 DDR-Container gekauft und diese zunächst auf das Grundstück gestapelt. Das Baugenehmigungsverfahren war sehr kompliziert, steht der Block doch in unmittelbarer Nähe zum Dom. Wir haben die Baugenehmigung Volker Lippmann zu verdanken, der damals das Bauordnungsamt leitete. Er hat sich erfolgreich für uns eingesetzt. Das Bauwerk ist eine Besonderheit, denn die Container sind unregelmäßig gestapelt, eine technische Herausforderung. Immer wieder kommen Architekten, Architekturstudenten und interessierte Menschen, um sich den Block anzusehen. Aufmerksam wurde auch Professor Dirk Manzke, der uns nach Osnabrück einlud, wo wir über das Projekt an der Uni referierten. Mehr zur Baumaßnahme finden sie unter ´Projekte´ auf dieser Website.


Ein weiteres spektakuläres Projekt war 2009, die Sanierung der Alten Brauerei Steinpleis. Sachsen ist voller wunderbarer Industrieobjekte, denen jetzt oft der Abriss droht. Leider lässt sich die Politik nichts einfallen um diese Gebäude kulturell zu nutzen. Vorbild wäre der Ruhrpott. Dort ist es gelungen, die Industriebrachen in Museen umzuwandeln und Millionen von Touristen nutzen das Angebot. Kürzlich haben wir eine Partnerschaft mit dem Wapping-Project London vereinbart. In der Brauerei werden Architekturvorträge und Kunstprojekte für Interessierte vorbereitet.


Zuletzt haben wir 2010 den Dr.-Friedrichs-Ring 8 und den Dr.-Friedrichs-Ring 21a, das Ringkaffee, saniert. Im Moment sanieren wir gerade die Äußere Plauensche Str. 17.


Einige Projekte sind in Vorbereitung. Die Realisierung ist stark gefährdet. Es gibt keine Stadtentwicklung. Das Stadtplanungsamt unter der Leitung von Helmuth Pfefferkorn ist quasi seit vielen Jahren untätig, gar destruktiv. Halt, eines kann er: außerstädtische Einkaufszentren gibt es in Zwickau im Überfluss.
Es werden nicht einmal Konzepte entwickelt, die historischen Stadtteile abschließend zu sanieren. Zwei historistische Gebäude in geschlossenen Baureihen wurden  bereits abgerissen. Die hässlichen Baulücken sind eine Zumutung.

 

 

Die ignorante Meinung von Herrn Pfefferkorn in der Freien Presse:
 

 

 

 

Frau Findeiß tut so, als ginge sie das nichts an (siehe Megaphon). Dabei wäre es ganz einfach, diese Probleme zu lösen. Leipzig zeigt es.


(Siehe Websites www.haushalten.org/ und  www.selbstnutzer.de/selbstnutzer/


Gut überlegter Abriss ist notwendig, eventuell ganze Quartiere. Aber in erster Linie unmenschliche Plattenbauten. Herrn Pfefferkorn fordere ich auf, seinen Stuhl zu räumen, er hat in dieser Stadt schon genug Schaden verursacht.
 
Es geht weiter. Es gibt noch viel zu tun.


Zwickau und die Zwickauer sind mir ans Herz gewachsen. Diese Stadt ist eine der schönsten Städte unseres Landes, das wissen noch zu wenige Menschen. Ich bin sicher, das wird sich ändern und viele Touristen werden in Zukunft Zwickau besuchen.

 

 



Kurt Fliegerbauer, 15.11.2010